Schaut genauer hin – bevor ihr einen Welpen kauft 

Nicht alles, was nach seriöser Zucht aussieht, sollte man einfach ungefragt hinnehmen.

Wer sich einen Welpen anschafft, sollte nicht nur auf schöne Fotos, einen hübschen Stammbaum oder ein Vereinslogo schauen. Man sollte genauer hinsehen, Fragen stellen und sich informieren.

Welche Gesundheitsuntersuchungen wurden tatsächlich durchgeführt? Welche Unterlagen liegen vor? Sind Stammbäume und Ahnentafeln nachvollziehbar? Und stimmen die Angaben zum Hund, zu seinen Eltern und zu seinem Geburtsdatum?

Das Geburtsdatum ist nicht einfach eine Zahl

Leider gibt es immer wieder Fälle, bei denen Angaben zum Alter eines Welpen kritisch hinterfragt werden sollten. Gerade beim Geburtsdatum sollte man deshalb genau hinschauen.

Warum ist das so wichtig?

Ein Welpe gehört nicht einfach möglichst früh in sein neues Zuhause. Die Trennung von der Mutter darf in Deutschland grundsätzlich erst nach Vollendung der achten Lebenswoche erfolgen; eine frühere Trennung ist nur unter bestimmten tierärztlich begründeten Voraussetzungen zulässig.

Die ersten Lebenswochen sind für einen Hund enorm wichtig. In dieser Zeit lernt er von seiner Mutter und seinen Geschwistern wichtige soziale Verhaltensweisen. Eine zu frühe Trennung kann deshalb erhebliche Auswirkungen auf die weitere Entwicklung haben.

Auch beim Impfschutz sollte man genau hinschauen. Ein Welpe hat nicht automatisch dadurch einen vollständigen Schutz, dass irgendwo „geimpft“ steht. Entscheidend sind Alter, Impfstoff, Impfzeitpunkt und die korrekten Eintragungen.

Deshalb: Nicht nur auf ein Datum im Impfpass verlassen, sondern die Unterlagen genau prüfen und im Zweifel beim Tierarzt nachfragen.

Auch beim Chip und den Papieren genau hinschauen

Fragt nach:

- Wann wurde der Welpe gechippt?

- Wo und durch wen wurde der Chip gesetzt?

- Welche Chipnummer hat der Hund?

- Stimmt die Chipnummer mit den Unterlagen überein?

- Welcher Ausweis wird mitgegeben?

- Wer hat ihn ausgestellt und ausgefüllt?

- Sind Impfungen und andere Eintragungen nachvollziehbar?

Gerade beim EU-Heimtierausweis gibt es klare Vorgaben zu Kennzeichnung, Impfungen und zur Ausstellung durch den Tierarzt.

Deshalb sollte man sich die Unterlagen nicht einfach in die Hand drücken lassen, sondern sie sich erklären lassen und genau kontrollieren.

Wie leben die Zuchthunde tatsächlich?

Man sollte sich auch fragen:

Welche Art von Zucht unterstütze ich eigentlich mit meinem Welpenkauf?

Es gibt Hündinnen, die in Privathaushalten leben und für die Zucht zu einem anderen Züchter gebracht werden. Dort bekommen sie ihre Welpen und werden anschließend wieder zurück in ihr eigentliches Zuhause gebracht.

Dafür gibt es Begriffe wie „Platzierungsstelle“ oder „Zuchtmiete“.

Auch Hunde werden für einen Zuchteinsatz an andere Züchter ausgeliehen, um dort Welpen zu bekommen.

Für Menschen mag das organisatorisch praktisch erscheinen.

Aber habt ihr euch einmal gefragt:

Wie fühlt sich dieses ständige Hin und Her eigentlich für einen Hund an?

Eine Hündin ist kein Zuchtobjekt, das man für einen Wurf dorthin bringt, wo sie gerade gebraucht wird, und anschließend wieder zurückgibt.

Sie ist ein Lebewesen. Sie hat Bindungen, braucht Sicherheit und ein vertrautes Umfeld – gerade in einer so besonderen Zeit wie Trächtigkeit, Geburt und Aufzucht ihrer Welpen.

Auch die Verteilung von Zuchthunden auf verschiedene Haushalte sollte man kritisch hinterfragen. Dadurch kann der tatsächlich vorhandene Zuchtbestand nach außen kleiner erscheinen, als er insgesamt ist.

Wo leben die Hunde tatsächlich? Wer ist für sie verantwortlich? Wo finden die Würfe statt? Und wer züchtet tatsächlich mit den Hunden?

Diese Fragen sollte jeder stellen dürfen.

Warum wir ganz bewusst gegen einen Zuchtverein entschieden haben

Hier möchte ich ganz offen sein:

Wir sind bewusst in keinem Zuchtverein – und das hat einen ganz klaren Grund.

Ich selbst habe viele Jahre im Verein Katzen gezüchtet und dadurch sehr viel Einblick in Vereinsstrukturen, Zuchtordnungen, Ausstellungen, Bewertungen und die gesamte Welt der Vereinszucht bekommen.

Und genau diese Erfahrungen haben meine Einstellung geprägt.

Ich persönlich brauche für einen Hund kein Papier, auf dem irgendein Mensch festgelegt hat, wie ein Hund auszusehen hat, was als „korrekt“ gilt oder welche äußeren Merkmale einer bestimmten Vorstellung von Schönheit entsprechen.

Für mich macht ein Stück Papier einen Hund weder gesünder noch besser noch wertvoller.

Im Gegenteil: Ich kann nicht hinter einem System stehen, in dem aus meiner persönlichen Sicht teilweise Zuchtmerkmale oder Zuchtformen unterstützt werden, die mit meinem Verständnis von Tierwohl und tierschutzgerechter Zucht nicht vereinbar sind – und für solche Hunde dennoch entsprechende Papiere ausgestellt werden.

Das möchte ich nicht unterstützen.

Deshalb haben wir uns ganz bewusst gegen eine Vereinszucht entschieden.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch, der in einem Verein züchtet, automatisch ein schlechter Züchter ist. Aber für uns ist eine Vereinszugehörigkeit kein Qualitätsmerkmal, das wir benötigen, um verantwortungsvoll zu züchten.

Für uns stehen andere Dinge im Vordergrund:

Gesundheit.

Wesen.

Charakter.

Transparenz.

Verantwortung.

Und vor allem das Wohl des einzelnen Hundes.

Und auch beim Charakter sollte man genau hinschauen

Ein weiterer Punkt, der uns immer wieder nachdenklich macht, sind die Beschreibungen von Welpen.

Aus einem Welpen mit anspruchsvollerem Charakter wird plötzlich ein:

„Schoßhündchen“

„perfekter Kinderhund“

„idealer Anfängerhund“

Aber passt diese Beschreibung wirklich zu diesem Hund?

Oder wird vielleicht einfach das erzählt, was sich besser verkaufen lässt?

Ein Hund hat seinen eigenen Charakter. Nicht jeder Hund passt zu jeder Familie und nicht jeder Hund ist automatisch für Anfänger, kleine Kinder oder eine bestimmte Lebenssituation geeignet.

Ein verantwortungsvoller Züchter sollte deshalb nicht versuchen, einen Welpen möglichst passend für den Käufer darzustellen.

Er sollte den Welpen so beschreiben, wie er tatsächlich ist.

Denn ein Welpe ist kein Produkt.

Er ist ein Lebewesen, das im besten Fall die nächsten 10, 12, 15 Jahre oder noch länger Teil einer Familie sein wird.

Deshalb: Schaut hinter die Kulissen

Schaut nicht nur auf süße Welpenbilder.

Schaut nicht nur auf Ahnentafeln.

Schaut nicht nur auf Vereinslogos.

Fragt nach.

Hinterfragt.

Schaut euch die Elterntiere an.

Schaut, wie die Hunde tatsächlich leben.

Lasst euch die Unterlagen zeigen.

Prüft die Angaben.

Und fragt euch am Ende nicht nur:

„Welcher Welpe gefällt mir?“

Sondern auch:

„Welche Art von Zucht möchte ich mit meinem Geld unterstützen?“

Denn mit jedem Welpenkauf entscheiden wir ein Stück weit mit, welche Art von Zucht weiterhin Bestand hat.

Und genau darüber sollte man sich Gedanken machen. 

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